06.10.2007: Sicherung von „Lakog“-Relikten

Seit dem Jahr 2006 arbeitet die GKB-Bergbau GmbH im Kärntner Lavanttal an der Sicherung und Sanierung ehemaliger LAKOG-Braunkohlebergbaue. Aus bergschadenkundlicher Sicht gibt es vier „sensible Bereiche“, die einer dauerhaften Sicherung zugeführt werden müssen. Hier ein Überlick zu den bereits durchgeführten, den aktuellen und künftigen Arbeiten sowie ein Rückblick auf die Bergbaubeschichte im Lavanttal.

Bereich Tatzerschacht 

Der 1905 errichtete, elf Meter tiefe Tatzerschacht liegt in einem Waldgrundstück östlich des Rikliweges, unmittelbar an einem Spazierweg. Er wurde etwa 1925 lose verfüllt, und das Gelände wurde planiert.

Eine Kernbohrung in den Schacht zeigte die vollständige Auffüllung mit Ziegelschutt und Schlacke. Durch das Verfüllen der am Schachtfuß vorbeiführenden Strecke mit Spezialbeton (Stollen-SSM) über Bohrungen konnte der Schacht dauerhaft vor möglichem Einstürzen gesichert werden.

Bereich Tatzersiedlung
Ein Teil der Tatzersiedlung, sowie der Rikliweg, im Bereich zwischen Riedweg und Tatzerschachtweg, sind von alten Strecken und Abbauen aus der Zeit um 1953 in geringer Tiefe unterfahren. Erste Untersuchungen in diesem Bereich im Jahre 2002 zeigten, dass die Abbaue südöstlich des Tatzerschachtweges wahrscheinlich größtenteils verbrochen sind. Bei den nunmehrigen Bohrungen stellte sich heraus, dass die Grubenbaue im ansteigenden Kohleflözteil, hin bis zum Riedweg fast zur Gänze offen standen. Die Überlagerung in diesem Bereich der Tatzersiedlung beträgt zwischen 11 und 30 Meter. Im Zeitraum von Juni 2006 bis April 2007 wurden 124 Bohrungen mit einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 18 m niedergebracht. In einem Bereich von etwa 12.000 m² Siedlungsfläche mussten über 6.000 m³ Stollen-SSM zur Auffüllung der Hohlräume eingepumpt werden. 
Weitere Untersuchungsbohrungen im Siedlungsgebiet südöstlich des Tatzerschachtweges, sowie andere Hinweise lassen nun darauf schließen, daß es in diesem Bereich mit großer Wahrscheinlichkeit keinen offenen Grubenhohlräume mehr gibt.
Mit dem nun abgeschlossenen Sicherungsprogramm in der Tatzersiedlung ist hier das Bergschadensrisiko weitestgehend beseitigt.

Bereich ehemalige B-Anlage („Behelfs-Anlage“) in Kleinrojach
Dieser ehemalige Förderbetrieb – er bestand bis 1957 – als südlichste Obertagsanlage entlang der Flözausbisslinie bildet mit seinen beiden gegen Osten einfallenden Schrägstollen (Tonnlagen) die südliche Begrenzung der seichten Grubenbaue. Der südliche der Beiden diente nach Einstellung der Kohleförderung in diesem Bereich zum Absaugen der verbrauchten Luft aus der Grube Wolkersdorf. Die beiden Stollen verlaufen im Abstand von etwa 35 Meter zueinander nur einige Meter unterhalb der nördlichen, zur Lavant führenden Gemeindestraße. Sie sollten laut Schließungsberichten von 1968 voll verfüllt sein. Untersuchungsbohrungen zeigten jedoch nur ansatzweise vorhandenes Füllmaterial. Lediglich die Stolleneingänge waren mit Haldenschutt verstürzt. Zur Sicherung der Gemeindestrasse und der angrenzenden Bereiche wurden daher die beiden Schrägstollen in die Tiefe hin – bis zu einer Gesamtüberlagerung von etwa 20 bzw. 30 Metern – mit geeignetem Material dauerhaft standfest und erosionssicher verfüllt. In zwei Etappen, 2006 und 2007, wurden über 15 Tiefbohrungen an die 1150 m³ Stollen-SSM eingepumpt.

Luftschacht im Bereich Barbarasiedlung „Neue Heimat“ in St. Stefan
Im Bereich des Innenhofes, am Kinderspielplatz der heutigen Wohnanlage „Neue Heimat“ im Norden von St. Stefan wurde 1900 ein 64 Meter tiefer Luftschacht geteuft. Der 5 bis 6 m² große Schacht diente zur Versorgung der St. Stefaner Grube mit Frischluft. Nach Auskohlung dieser Flözbereiche wurde er 1922 wieder verstürzt.
Da die genaue Lage des Schachtes zunächst unbekannt war, musste sie mittels Tiefbohrungen ausgemacht werden. Eine Kernbohrung in den Schacht zeigte dann, dass er im oberen Bereich mit schlackig-schottrigem Material verfüllt ist. In größerer Tiefe befindet sich schlammig-weiches Material, das im Laufe der Zeit in die Tiefe in offene Grubenhohlräume abwandern und irgendwann zum Einsturz des Schachtes hätte führen können. Dies wurde durch technisch aufwändige Sanierungsmaßnahmen verhindert.
Da festes Gestein erst in ca. 12 Meter unter Gelände ansteht, wurde in dieser Tiefe eine entsprechend dimensionierte Beton-Abdeckplatte mit 7 x 7 Meter eingebracht. Dazu musste ein durch Spundwände gestützter Schacht gleichen Ausmaßes auf diese Tiefe ausgehoben und das Material im Innenhof zwischengelagert werden. Ein im Zuge der Rückverfüllung der Baugrube hochgezogener Betonschacht (Durchmesser: 60 cm) ermöglicht die künftige Kontrolle und gegebenenfalls erforderliche Ergänzung der Schachtfüllsäule. Das Gelände wurde planiert, begrünt, und die Spielgeräte konnten auf einem nun sicheren Untergrund wieder aufgebaut werden.
Parallel dazu musste eine in 14 Meter Tiefe vom Schacht abzweigende, unterhalb des Wohngebäudes verlaufende, offene Strecke mit 360 m³ verfüllt werden. Die umliegenden Bewohner mussten während der Bauphase unvermeidbare Unannehmlichkeiten wie Lärm, Staub und Erschütterungen in Kauf nehmen. Durch umfangreiche Aufklärung über die Notwendigkeit der Maßnahmen war jedoch eine große Akzeptanz seitens der Betroffenen gegeben.
An den alten Luftschacht erinnert nun nur noch die Abdeckung eines Kontrollschachtes in der Wiese.
Ein aktuelles Projekt betrifft den nördlichen Bereich der Barbarasiedlung in St. Stefan. Dort befinden sich zwei ehemalige, lose verfüllte Schrägstollen nahe dem St.-Johann-Bach und ein Luftschacht an der St. Stefaner Straße. Der verfüllte Schacht wurde in einem Vorerkundungsprogramm aufgesucht und erkundet. Es ist noch für 2007 geplant, die Bereiche dieser drei ehemaligen Tagöffnungen anhand von Bohrungen näher zu untersuchen und Hohlräume aufzufüllen.
Künftige Untersuchungen und gegebenenfalls daraus resultierende Sicherungsprojekte betreffen ehemalige Tagöffnungen sowie die Erkundung seicht unterbauter Siedlungsbereiche und Verkehrswege.
Die GKB-Bergbau GmbH ist bemüht, die von den Maßnahmen betroffene Bevölkerung umfassend zu informieren und erntet damit auch stets große Akzeptanz für die Notwendigkeit der Maßnahmen. Wir werden auch weiterhin über den Fortgang der Sicherung von Relikten aus der so prägenden Zeit des Kohleabbaues im mittleren Lavanttal berichten.

Die „Bergbaureise“ im mittleren Lavanttal
Die jetzt durchgeführten Sicherungsmaßnahmen können als Schlusspunkt der „Bergbaureise“ im mittleren Lavanttal betrachtet werden.
Die Schurftätigkeit nach Kohle begann 1926 im Bereich des Kremskogels bei St. Stefan durch Albin Freiherr von Herbert. Durch ihn gab es den ersten Aufschluss der St. Stefaner Kohleflöze. 1833 trieb er den „Marien-Stollen“ vom südwestlichen Fuße des Rotkogels in St. Stefan, neben der heutigen Rotkogelstrasse, gegen Osten in das Kohleflöz. Im Bereich der heutigen Rotkogelsiedlung erfolgten bald darauf auch die ersten Abbaue durch den „Herbert’schen Braunkohlenbergbau“. Diesen Betrieb erwarben 1897 die Grafen Henckel von Donnersmarck, um ihn 1900 zu Gunsten des von ihnen betriebenen Bergbaues beim 145 m tiefen St.Stefaner Hauptschacht („Alter Schacht“) zu schließen. Der Bergbau St. Stefan folgte den aus der Tiefe mit bis zu 30 Grad aufsteigenden Kohleflözen in Richtung Westen, unterhalb der Lavant hindurch, entlang der heutigen Südtangente, bis zur Tatzerschachtanlage (siehe Skizze).

Diese befand sich im Waldgrundstück südlich des heutigen Info-Standes am Autobahnzubringer Wolfsberg-Süd. Nachdem 1918 durch einen katastrophalen Wassereinbruch beinahe die gesamten Grubenbaue des Betriebes St. Stefan „ersoffen“ waren, musste die Tatzeranlage zwischenzeitlich als Förderbetrieb umgebaut werden. Die Kohle wurde per Seilbahn nach St. Stefan befördert. 
1946 erfolgte die Verstaatlichung, die „Lavanttaler Kohlenbergbau Ges.m.b.H.“, kurz LAKOG, wurde gegründet.
1951 ging das Kraftwerk bei St. Andrä in Betrieb.
Die Linie des bis auf wenige Meter unter Erdoberfläche ansteigenden Kohlenhauptflözes schwenkt im Bereich der heutigen Tatzersiedlung gegen Süden. Diese „Ausbisslinie“ führt entlang des Flugplatzes, die Mareiner Strasse unterquerend in Richtung Südwesten. Unterhalb der Eishalle kreuzt sie die Bundesstrasse und verläuft weiter in Richtung Süd-Südost in den Lavant-Auwald. 
Dieser Linie folgten auch die seichten Abbaue der Förderbetriebe „Mareiner Anlage“ (nördlich der St. Mareiner Strasse, nahe der A2) und der „B-Anlage“ in Kleinrojach.
1957 wurde der Wolkersdorfer Hauptschacht mit 365 m Tiefe in Betrieb genommen. Die in den tieferen Flözbereichen gewonnene Kohle wurde nun über diesen modernen Schacht zu Tage gefördert. Die Förderanlagen St. Stefan, St. Marein, sowie die B-Anlage in Kleinrojach wurden stillgelegt. Die Abbaue der Grube-Wolkersdorf erreichten eine Tiefe von 160 Meter unter Meeresspiegel. Die größte Jahresfördermenge wurde 1962 mit über 820.000 Tonnen Braunkohle erbracht. Die Gewinnung der Braunkohle im mittleren Lavanttal erfolgte ausschließlich im Untertage-Abbaubetrieb, größtenteils im Bruchbauverfahren. Das heißt, dass die Abbauhohlräume verbrochen sind und das darüber liegende Gelände abgesenkt wurde.

Der Betrieb wurde 1968 eingestellt, seit 1999 ist die „GKB-Bergbau GmbH“ Berechtigte für das noch aufrechte Bergbaugebiet der LAKOG.

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    Freigelegter ehemaliger Tatzerschacht nahe dem Spazierweg.
  • 2
    Sehr beengter Raum bei der Verfüllung der Grubenhohlräume mit Beton-Pumpwagen mitten im Siedlungsgebiet.
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    Die Arbeiten erfolgten mitten im Siedlungsgebiet – die Bevölkerung zeigte Verständnis.
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    Arbeit am Schacht, das Aushubmaterial wurde im Innenhof zwischengelagert.
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  • 6
  • 7
    Die Werksanlage Wolkersdorf, 1960, mit der Seilbahn zum kalorischen Kraftwerk der ÖDK.