14.03.2012: Sicherungsprojekte im „Mittleren und Unteren Lavanttal“

Bereits seit längerer Zeit führt die GKB-Bergbau GmbH im Bergbaugebiet der ehemaligen Lakog (Lavanttaler Kohlenbergbau Ges. m. b. H.) Untersuchungs- und Sicherungsarbeiten durch. Hier erhalten Sie  – in Wort und Bild – einen zusammenfassenden Überblick über die Projekte, die im Jahr 2011 in diesem Bereich durchgeführt wurden.

  • Industriepark
    „Am Industriepark“, Kleinedling.
  • Lavanttal 1
    Pichling, „Alte Straße“, Kleinrojach.
  • Lavanttal 2
    „Aufbruch Südtangente“, Priel.
  • Lavanttal 3
    „Amalien-Stollen“, Andersdorf.
  • Lavanttal 4
    „Wolkersdorfer Hauptschacht“, Wolkersdorf-St. Stefan.
  • Lavanttal 5
    „Wolkersdorfer Hauptschacht“, Wolkersdorf-St. Stefan.


Ein von Prof. Hollmann im Auftrag der GKB-Bergbau GmbH (GKB) verfasstes „Bergschadenkundliches Gutachten zur Erfassung, Erkundung, Überwachung und Abwehr der Gefährdung von Geländeoberfläche und Baugrund“ aus dem Jahr 2003 stellt die Basis für die Bewertung der Sicherheitslage sowie der Nachwirkungen des still liegenden bergmännischen Abbaus der Lavanttaler Kohlenbergbau Ges. m. b. H. (Lakog) dar.

Die vorhandenen Grubenkarten wurden von der Markscheiderei der GKB überarbeitet. Dabei wurden die Gegebenheiten der Lagerstätte, des Deckgebirges und der besonderen hydrogeologischen Verhältnisse berücksichtigt. Auf dieser Grundlage konnten „Verdachtsflächen“ definiert und kartenmäßig ausgewiesen werden.

Zur Abarbeitung dieser Verdachtsflächen wurden Ordnungskriterien für die Überwachungs- und Handlungsintensität aufgestellt. Entsprechend den vorliegenden bergbaulichen Informationen und der gegebenen Nutzung der Geländeoberfläche wurde die Rangfolge der Bearbeitung, differenziert für „Tagesöffnungen“ sowie „Abbaue und Strecken“, festgelegt.

So konnten 2011, im Rahmen der „Aktiven Verwahrung“, in Abstimmung mit der Montanbehörde weitere fünf Untersuchungs- und Sicherungsprojekte durchgeführt werden.

1.  „Am Industriepark“, Kleinedling

Das Projekt betrifft die ehemalige „Zipferschmiedstraße“ und nunmehrig neubezeichnete Aufschließungsstraße „Am Industriepark“. Der von seichten Strecken und Abbauen unterfahrene Straßenabschnitt liegt etwa 200 m bis 300 m westlich der Packer Bundesstraße (LB70).

In diesem etwa 100 m langen, tagbruchgefährdeten Straßenteilstück wurden 55, meist schräg angesetzte, Bohrungen geteuft. Über sie konnten in Summe 1120 Kubikmeter Hohlraum dauerhaft erosions- und lagebeständig verfüllt werden. Die Überlagerung über den so gesicherten offenen oder teilweise verbrochenen Grubenräume beträgt zwischen 10 und 25 Meter.
 

2. Pichling, „Alte Straße“,  Kleinrojach

Die vom Gasthaus „Kögelwirt“ im Gemeindegebiet von Kleinrojach gegen Nordosten  führende „Alte Straße“ ist im Bereich der Siedlung-Pichling in 30 m Teufe von einer ehemaligen Förderstrecke unterfahren. Um eine Gefährdung der Straße auszuschließen, wurde mit zwei Kernbohrungen die Beschaffenheit des überlagernden Gebirges erkundet und die Strecke in diesem Bereich verfüllt.


3. „Aufbruch Südtangente“, Priel

Die „Südtangente Wolfsberg“ ist östlich des Kreises LB70 von einem gegen Süden steil einfallenden „Gesenke“ (Schrägstollen) seicht unterfahren. Ein 2003 durch Erosion im stark wasserführenden Schrägstollen hervorgerufener Einbruch von etwa 3 Meter Durchmesser im Bereich des Gehweges führte zum Riss der Hauptwasserleitung und zur Gefährdung der Erdgasleitung. Durch den Stollen abfließendes Grundwasser transportierte Material (Sand, Kies) in tiefer gelegene, offene Grubenräume. Dabei entstanden unbemerkt Hohlräume, die sich durch rückschreitende Erosion langsam bis an die Tagesoberfläche ausweiteten und schließlich durchbrachen. Mit einem aufwändigen Sicherungsprojekt der GKB konnte das Gesenke damals verfüllt und „abgedichtet“ werden.

Um nach einer Zeit von 8 Jahren der Konsolidierung zu überprüfen, ob die damalige „Abdichtung“ auch nachhaltig gegeben ist, wurden im gegenständlichen Projekt Untersuchungsbohrungen teils schräg unter die Straße vorgetrieben. Die Verfüllung konnte dabei nachgewiesen werden und Erosionserscheinungen waren nicht festzustellen.

Die Untersuchungsbohrungen wurden dazu genutzt, die Verfüllung in untergeordnet vorhandenen Auflockerungsbereichen im Stollen und darüber mit dünnflüssig eingepresstem Stollen-SSM5 (F66) zu ergänzen.

Mit dem erbrachten Aufschluss und den zusätzlich erfolgten Maßnahmen kann davon ausgegangen werden, dass eine erosionsrelevante Wasserwegigkeit im Stollen nicht mehr gegeben ist.

 
4. „Amalien-Stollen“, Andersdorf

Das ehemalige Braunkohlen-Abbaugebiet Andersdorf liegt südöstlich von St. Paul i. Lavanttal, am Fuße der Koralm, im Gemeindegebiet von St. Georgen.

Die Lagerstätte, bestehend aus zwei Flözpaketen, wird mit dem über den Dachberg und Maria-Rojach gegen Süd-Südosten verlaufenden „Ausbiss“ der St. Stefaner „Kuchler-Flöze“ in Zusammenhang gebracht.

Der Aufschluss dieses Kohlevorkommens erfolgte bereits im 19. Jahrhundert, 1800 bis 1924 wurde dort periodenweise Bergbau betrieben. Die erste Grubenmaßverleihung erfolgte 1845. Nach Wiederinbetriebnahme im Jahre 1947 erwarb die Lakog 1950 die Bergwerksberechtigung, betrieb dort aber nie selbst Bergbau. Die letzte Abbautätigkeit erfolgt 1950 bis 1953 durch die Familie Patterer als Pächter.

Im Zuge der Schließung der Lakog und der „Heimsagung“ der Bergwerksberechtigung wurden im Jahr 1971 einige alte Grubenbaue teilweise freigelegt und untersucht, ohne allerdings weiterführende Sicherungsmaßnahmen zu setzen.

Im Rahmen der „Aktiven Verwahrung" wurde durch die GKB nach aktuellen, bergschadenkundlichen Kriterien ergänzende Untersuchungen vorgenommen. Dabei zeigte sich, dass nur wenige Meter unterhalb eines in den 1970-er Jahren errichteten Einfamilienwohnhauses eine offene Strecke verläuft. Die genaue Lage, die Steilheit, sowie der Zustand waren aus den nur spärlich vorhandenen Unterlagen nicht zu entnehmen. Von einer latenten Tagbruchgefahr im Zusammenhang mit zu erwartenden Erosionserscheinungen war aber auszugehen.

In einem Untersuchungs- und Sicherungsprojekt erbrachten acht Bohrungen – sechs davon schräg unter das Gebäude abgeteuft – Erkenntnisse über den Verlauf und den Zustand der Strecke, sowie neue geologische Aufschlüsse.

Die teilweise offene Strecke, etwa 12 m unterhalb des Gebäudes, konnte dauerhaft erosions- und lagebeständig verfüllt werden.

 
5. „Wolkersdorfer Hauptschacht“, Wolkersdorf-St. Stefan

Der 365 m tiefe ehemalige Wolkersdorfer Hauptschacht weist einen Durchmesser von etwa 5,0 m auf. Er wurde 1969, nach der Schließung, mit Lavant-Schotter verfüllt und mit einer Betonplatte abgedeckt. Er befindet sich in einer heute für Industriezwecke genutzten Halle. Eine verschlossene Öffnung in der Abdeckplatte im Hallenboden ermöglicht die Kontrolle und Ergänzung der Füllsäule.

Füllsäulen in Schächten haben erfahrungsgemäß die Eigenschaft, Setzungen zu unterliegen. Der Füllstand im Wolkersdorfer Hauptschacht wurde auch schon vorher, und seit dem Jahr 2000 von der GKB in regelmäßigen Abständen kontrolliert, wobei bisher (in den letzten 43 Jahren) keinerlei Veränderung zu beobachten waren.

Es bestand jedoch die gutachterliche Mutmaßung, dass sich ein Gewölbe im Schacht gebildet hat. Ein darunter befindlicher Hohlraum könnte ein plötzliches Nachsacken des Füllmateriales auslösen.

Aus diesem Grund wurde eine Kernbohrung bis auf 51 m durch die Kontrollöffnung in der Abdeckplatte in den Schacht geteuft. Der Verdacht konnte damit entkräftet werden. Es zeigte sich eine homogene, nur im oberen Bereich abschnittsweise leicht verfestigte Schotterfüllung.

Das Bohrloch wurde zur Beobachtung des Grubenwasserspiegels und etwaiger Grubengasaustritte als Beobachtungspegel ausgebaut.

Die von der GKB vor etwa 12 Jahren im Bergbaugebiet Lakog begonnenen Untersuchungen – zuerst noch vorwiegend zur Orientierung des Grubenkartenwerkes, später als Grundlage zur Schaffung einer gutachterlichen Basis, bis zur eingangs erwähnten systematischen Abarbeitung der Sicherung von Tagöffnungen und seicht unterbauten Bereichen im Rahmen der „Aktiven Verwahrung“ – werden im Jahr 2012 mit der Untersuchung eines Schachtes im Raum St. Stefan operativ weitgehend ihren Abschluss finden.

Beobachtungs- und Kontrolltätigkeiten werden aber weiterhin auf Dauer durchzuführen sein. Deshalb, wie auch im Rahmen des „Bauens im Bergbaugebiet“ nach dem Mineralrohstoffgesetz, sowie mit anlassbezogenen Einsätzen, wird die GKB-Bergbau GmbH als Bergbauberechtigte für das Bergbaugebiet der ehemaligen Lakog auch weiterhin im Lavanttal präsent sein.