Sicherungsprojekte in Steyeregg im Zuge der „aktiven Verwahrung“

Die „aktive Verwahrung" und aktuelle Sicherungsprojekte der GKB-Bergbau GmbH im Glanzbraunkohlenrevier Wies-Eibiswald.

Tagesnaher Grubenbau – Deckschichten – Geländeoberfläche: In diesem System können auch lange Zeit nach der Schließung eines Bergbaus Reaktionen auftreten und Schäden verursachen. Der Zeitpunkt solcher Ereignisse ist unmöglich vorherzusagen, empirisch zu bestimmen oder vorauszuberechnen. Um dieses Systemrisiko zu begrenzen und den Aufwand für die Sicherheit ehemaliger Bergbaugebiete zu minimieren, werden sie „aktiv verwahrt“. Das heißt, in zuvor definierten Verdachtsflächen werden vorsorglich Schächte und Grubenbaue auch ohne auffällige Vorkommnisse untersucht und stabilisiert beziehungsweise gesichert. Damit wird auch eine wesentliche Voraussetzung für die geplante „Heimsagung“ der Bergbauflächen erfüllt.

Im Zuge dieser „aktiven Verwahrung“ konzentrierten sich die Sicherungsarbeiten der GKB-Bergbau GmbH im Altbergbaurevier Wies-Eibiswald 2016 auf den Raum Steyeregg. Dabei konnten zwei ehemalige Befahrungsaufbrüche sowie zwei Schächte lokalisiert und stabilisiert werden. Es handelt sich um den Befahrungsaufbruch TÖ212 und den Befahrungsaufbruch Cäcilienstollen TÖ359 sowie um die Luftschächte TÖ160 sowie TÖ174. 

Die im Folgenden beschriebenen Sicherungen repräsentieren nur einen Teil der Arbeiten, welche die GKB-Bergbau GmbH im Jahr 2016 im Zuge der aktiven Verwahrung im Glanzbraunkohlenrevier Wies-Eibiswald durchgeführt hat.

Die Sicherungsprojekte folgten einer Risikoeinstufung und Dringlichkeitsabfolge, basierend auf dem  Gutachten Hollmann, 2006, und dessen Abgleich aus dem Jahr 2015 (Bergschadenkundliches Gutachten zum Altbergbau im Wies-Eibiswalder Glanzbraunkohlenrevier, Risikoanalyse-Risikomanagament).

 

1. Luftschacht TÖ174

Der Luftschacht TÖ174 liegt nordöstlich des ehemaligen Fußballplatzes in Steyeregg auf einem Grundstück der Gemeinde Wies. Die der GKB-Bergbau GmbH zu Verfügung stehenden Unterlagen zeigen, dass im Bereich dieses Luftschachtes, der zur Grube Steyeregg gehörte, um 1900 Kohle abgebaut wurde.

Bereits im Dezember 2015 konnte die Lage des Schachtes mit Hilfe von Rammsondierungen lokalisiert werden (Abbildung 1). Im Juli und August 2016 wurde in 56 m Teufe die Schachtsohle erbohrt. Anschließend kam Stollen-SSM, ein spezielles Füllmaterial, zum Einsatz, um den Schachtfuß abzuschotten. Die Füllsäule wurde mittels Ergänzung und Verdichtung mit Stollen-SSM stabilisiert (Abbildung 2). Insgesamt waren 52 m³ Stollen-SSM notwendig. Die abschließenden Rekultivierungsarbeiten fanden im Einvernehmen mit dem Grundeigentümer statt (Abbildung 3).

2. Wetterschacht TÖ160

Ebenfalls im Raum Steyeregg befindet sich auf dem Industriegelände in der Nähe der Metallbaufirma „Gosch-Zmugg“ der Wetterschacht TÖ160. Dieser Schacht stand mit der Grube Steyeregg im Zusammenhang. Nach Informationen aus dem Grubenkartenwerk sollte sich die Schachtsohle in einer Teufe von etwa 30 m befinden. Nachdem es im August 2016 gelungen war, die ehemalige Tagesöffnung des Schachtes mittels 15 Rammsondierungen zu lokalisieren, konnte mit einer Kernbohrung in 31 m die Schachtsohle erbohrt werden.

Um den Wetterschacht dauerhaft zu stabilisieren, wurde der Schachtfuß mittels Stollen-SSM gegenüber dem restlichen Grubengebäude abgeschottet, und die Schachtfüllsäule ergänzend und verdichtend mit SSM aufgefüllt, wobei 36 m³ SSM zum Einsatz kamen (Abbildung 4). Ein Horizontal-Rotationslaser überwachte während der Verfüllung das Umfeld des Schachtbereiches auf Hebungen. Somit war gewährleistet, dass die druckhafte Verfüllung keine Schäden an bestehender Infrastruktur verursacht.

3. Befahrungsaufbrüche TÖ212 und TÖ359

Die beiden Befahrungsaufbrüche TÖ212 und TÖ359 liegen ebenfalls im Bereich Steyeregg und unterqueren laut Bergbaukartenwerk der GKB-Bergbau GmbH eine Hofzufahrt. Sie konnten durch Baggerschurfschlitze und Bohrungen im Umfang von 187 Bohrmetern lokalisiert werden.

Die schräg in das Gebirge einfallenden Aufbrüche wurden mit Stollen-SSM gegenüber den tiefer liegenden Grubenbauen abgeschottet, die restlichen Hohlräume  ebenfalls mit Stollen-SSM druckhaft verfüllt (Abbildung 5 und 6). Insgesamt waren für diese beiden Tagesöffnungen 76 m³ SSM notwendig. Nach den Sicherungsarbeiten fand die Rekultivierung aller in Anspruch genommenen Bereiche statt (Abbildung 7).

Die Sicherheit der Oberflächennutzung in den bearbeiteten Bereichen ist nun gewährleistet.

August Huber, Markus Troger